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Hafenstreik Hamburg, volle Yards, flacher Rhein: die Nordseehäfen im September 2026

Nach dem Hafenstreik in Hamburg Anfang September ist die Tarifrunde weiter offen, die Yards an der Nordsee sind fast voll, und der Rhein führt Niedrigwasser. Zugleich gelten PPWR und 3-Euro-Zoll, ab 1. November auch Produktkennungen. Was Importeure über Hamburg, Bremerhaven und Rotterdam jetzt vor dem Löschen disponieren sollten.

Nordseehäfen, Rhein und Alpenkorridore Mitte September 2026: wo Container stehen und welche EU-Fristen bis Jahresende laufen.

Stand 15. September 2026 gibt es in der Tarifrunde der deutschen Seehäfen weder eine Einigung noch einen neuen Streikaufruf. Der letzte Hafenstreik in Hamburg, 48 Stunden lang, endete am 4. September. Die Yards in Bremerhaven und Rotterdam waren in der ersten Septemberwoche fast voll, und am Pegel Kaub stand der Rhein am 15. September bei 28 cm.

Kurz gefasst: In den deutschen Seehäfen ist Stand 15. September 2026 kein neuer Streik ausgerufen, die Tarifrunde bleibt offen. Laut Kuehne+Nagel waren die Yards vom 2. bis 8. September in Bremerhaven zu 88 % und an Maasvlakte II in Rotterdam zu rund 90 % belegt. Den Pegel Kaub sieht die Bundesanstalt für Gewässerkunde bis 27. September mit 100 % Wahrscheinlichkeit unter 77 cm. Seit 12. August gilt die EU-Verpackungsverordnung, ab 1. November sind Produktkennungen Pflicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tarifrunde: keine Einigung, kein Streikaufruf (15. September). Knappe Umladungen über Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven meiden.
  • Yards: Maasvlakte II rund 90 %, Bremerhaven 88 % (2.–8. September). Freistellung und Nachlauf gehören vor das Festmachen.
  • Rhein: Kaub 28 cm (15. September), Kleinwasserzuschläge „nach Vereinbarung“, rechte Rheinstrecke bis 12. Dezember gesperrt. Zuschlag schriftlich einholen.
  • EU-Pflichten: PPWR seit 12. August, 3 Euro Zoll je Warenposition seit 1. Juli, Produktkennungen ab 1. November, EUDR ab 30. Dezember.
  • Brasilien: Seit 3. September lässt die EU unter anderem Rind, Geflügel, Eier und Honig aus Brasilien nicht mehr ein. Einkäufe nur unter Vorbehalt abschließen.

Hafenstreik Hamburg: Wie voll sind die Nordseehäfen nach den Warnstreiks?

Für rund 11.000 Beschäftigte fordert ver.di 8,2 % mehr Stundenlohn, mindestens 2,50 Euro, bei 12 Monaten Laufzeit. Nach Warnstreiks im August legten die Beschäftigten in Hamburg von der Nachtschicht am 2. September bis nach der Spätschicht am 4. September die Arbeit nieder, wie ver.di Hamburg mitteilte: bei HHLA in Altenwerder, am Burchardkai und in Tollerort, bei Eurogate CTH und bei der Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft.

Laut den Hafenberichten von Kuehne+Nagel für den 2. bis 8. September waren die Yards in Hamburg zu 78 % (CTA) und 83 % (CTH) belegt, in Bremerhaven zu 88 %, dort mit zunehmend knapper Kapazität für Gefahrgut und Übermaß. Wilhelmshaven dürfte mehr als 30 % seiner Wochenkapazität verlieren. In Rotterdam meldete Maasvlakte II rund 90 %, ECT rund 83 % und 24–72 Stunden Verzug bei Binnenschiffen und Feedern. Rotterdams Yards waren schon vom 19. bis 25. August zu 89–90 % belegt, also vor dem niederländischen Hafenstreik vom 4. September.

Verspätete Gefahrgut-Abholungen erhöhen laut Maersk (14. August) das Risiko einer Zwangsumfuhr. HHLA verbuchte im Halbjahresbericht vom 13. August „Lagergelderlöse infolge längerer Verweildauern“. Das Lagergeld dahinter zahlt, wer die Freistellung erst nach dem Löschen anstößt. Welche Asien–Europa-Dienste auf die Suez-Route wechseln, steht im globalen Lagebericht zur Seefracht, die Lage an der Straße von Hormus im Lagebericht Rotes Meer und Hormus.

Wie kommen Container bei Niedrigwasser und Bahnsperrungen ins Hinterland?

Mitte August fiel der Pegel Kaub auf einen einstelligen Rekordtiefstand, am 15. September zeigte er 28 cm. Die Vorhersage von ELWIS und BfG erwartet um den 17. September einen kurzen Anstieg auf rund 30 cm, danach wieder Werte im niedrigen 20er-Bereich. Contargos Kleinwasserzuschläge für Kaub und Duisburg-Ruhrort standen laut veröffentlichter Tabelle am 15. September auf „nach Vereinbarung“. Die Schiene hilft laut Fachpresse nur begrenzt: Wegen der Sperrung Troisdorf–Wiesbaden bis 12. Dezember weichen Güterzüge auf die linke Rheinseite aus.

Nach Italien enden am 20. September die letzten Sommersperrungen, auf Tarvisio–Udine und am Simplon-Zulauf Arona–Domodossola. Das italienische Streikregister listet Streiks bei SBB Cargo Italia in der Nacht zum 21. September und in Hafenbetrieben am 28. September; beide können widerrufen werden.

Verpackung, Zoll, EUDR: Welche EU-Pflichten gelten jetzt für Importeure?

Seit 12. August 2026 gelten die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) und das VerpackDG, ohne Aufschub. Je Verpackungsart braucht der Erzeuger technische Dokumentation und eine EU-Konformitätserklärung. Dazu kommen Grenzwerte für Schwermetalle, für PFAS in Lebensmittelverpackungen und neue Kennzeichnungspflichten. Die LUCID-Registrierung bleibt laut ZSVR Pflicht; ausländische Unternehmen ohne deutsche Niederlassung, die direkt an Endverbraucher liefern, brauchen einen Bevollmächtigten. Zudem gilt als Erzeuger, wer Ware unter eigener Marke fertigen lässt. Rechnen Sie mit Datenanfragen Ihrer Handelskunden.

Beim Zoll ist die Befreiung für Sendungen mit geringem Wert bis 150 Euro seit 1. Juli 2026 weggefallen, bis 1. Juli 2028 kostet jede Warenposition 3 Euro. Ab 1. November sind Produktkennungen wie die EAN bei Fernabsatz-Einfuhren Pflicht. Spätestens dann soll auch eine Bearbeitungsgebühr kommen; ihre Höhe steht nicht fest, und Plenum und Rat müssen der Zollreform noch zustimmen. Zu Waren aus der Türkei mit A.TR siehe den Lagebericht zum Lkw-Transport Türkei–Deutschland.

Die EUDR gilt ab 30. Dezember. Den delegierten Rechtsakt vom 13. Juli, der unter anderem Leder und runderneuerte Reifen herausnimmt, hat die Kommission angenommen; im Amtsblatt steht er Stand 15. September nicht.

Seit 3. September kommen Erzeugnisse von Rindern, Pferden und Geflügel, aus Aquakultur sowie Eier, Honig und Därme aus Brasilien nicht mehr in die EU: Brasilien steht nicht auf der Liste der Länder, die die EU-Vorgaben zu antimikrobiellen Mitteln erfüllen. Über Geflügel und Honig muss laut Poultrymed der zuständige EU-Ausschuss PAFF abstimmen, ein Termin steht nicht fest.

Warum sollte der Lkw-Ladeplan stehen, bevor der Container gelöscht ist?

Wenn das Binnenschiff teuer wird und die Bahn Umwege fährt, bleibt für viele Importe der Lkw ab Hafen. Ein Beispiel aus CargoDuo: Konsumgüter aus Asien werden in Hamburg palettiert und gehen per Sattelzug über die A7 an drei Empfänger. Auf den Curtainsider (1.362 × 248 × 270 cm, 25.200 kg Nutzlast) kommen 30 nicht stapelbare Europaletten: 12 mit Elektrokleingeräten für Frankfurt am Main, 10 mit Fahrradteilen für Kassel, 8 mit Porzellan und Geschirr für Hannover. Der 3D-Ladeplan für Lkw und Container ordnet die Paletten in umgekehrter Entladereihenfolge an.

30 von 30 Europaletten in drei Blöcken: Frankfurt am Main an der Stirnwand, Kassel in der Mitte, Hannover an den Hecktüren. Gewicht 11.140 kg, Volumen 50,74 %, dazu das Panel Achslasten.

Alle 30 Paletten passen. Die Antriebsachse trägt 9.453 kg von 11.500 kg (82,2 %), das Achsaggregat des Aufliegers 9.984 kg von 24.000 kg (41,6 %), beides innerhalb der im Programm hinterlegten Grenzwerte. Halb voll ist der Auflieger mit Absicht: Nicht stapelbare Paletten belegen Fläche, der Raum darüber bleibt frei. Grundlagen dazu im Ratgeber zur Palettenzahl im Lkw.

Die Beladesequenz auf halbem Weg: Zuerst stehen die 12 Paletten Elektrokleingeräte für Frankfurt am Main an der Stirnwand. Hannover kommt zuletzt, damit der Fahrer nirgends fremde Paletten umsetzen muss.

Was bedeutet das für Ihre Sendungen?

Relation / KnotenLage (Stand)ZeitfensterWas zu tun ist
Rotterdam Maasvlakte II / ECTYard rund 90 % / 83 %, ECT-Binnenschiffe 24–72 h Verzug (02.–08.09.2026)zweite SeptemberhälfteNachlauf und Freistellung vor dem Festmachen
Hamburg / Bremerhaven / Wilhelmshavenkeine Einigung, kein Streikaufruf (15.09.2026); Bremerhaven 88 %15.–30.09.2026keine knappen Umladungen
Rhein über Kaub28 cm (15.09.2026); BfG: unter 77 cm bis 27.09.; Zuschlag „nach Vereinbarung“mindestens bis 27.09.2026Zuschlag schriftlich, Lkw-Reserve
Bahn ItalienTarvisio–Udine bis 20.09.; Arona–Domodossola 18.–20.09.; Streik gelistet 20./21.09.18.–21.09.2026Abfahrten verlegen
Brenner, StraßeBlockabfertigung Kufstein-Nord 21.09., 28.09., 05.10.; Luegbrücke Fahrverbot über 7,5 t 19.09., 26.09., 02.–03.10.bis 05.10.2026diese Tage südwärts meiden
EU-Kleinsendungen3 Euro je Warenposition seit 01.07.2026; Produktkennungen ab 01.11.; Bearbeitungsgebühr spätestens 01.11., Höhe offenbis 01.11.2026Produktkennungen einpflegen
Stand 15.09.2026.
  1. Bis 30. September: Disponieren Sie Nachlauf und Zollfreigabe, bevor das Schiff festmacht, und lassen Sie Gefahrgut-Abholungen vor dem Löschen einteilen.
  2. Bis zu einer Einigung: Halten Sie für Umladungen über Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven eine Option über Rotterdam oder Antwerpen offen und prüfen Sie die Meldungen von ver.di und ZDS täglich.
  3. Bis mindestens 27. September: Lassen Sie sich Kleinwasserzuschläge schriftlich bestätigen und halten Sie Lkw als Reserve.
  4. Sofort: Fordern Sie je Verpackungsart Konformitätserklärung und technische Dokumentation beim Lieferanten an.
  5. Vor dem 1. November: Pflegen Sie Produktkennungen ein und kaufen Sie Geflügel und Honig aus Brasilien nur unter Vorbehalt der EU-Abstimmung.

Welche Termine stehen bis Jahresende an?

  • 19., 21. und 24. September: Laut Maersks Mitteilung vom 14. September sind das die ersten Abfahrten ab Asien, mit denen die Gemini-Dienste AE11, AE5 und ME2 von Maersk und Hapag-Lloyd über Suez laufen sollen, abhängig von anhaltender Stabilität im Roten Meer. AE5 und ME2 laufen Hamburg an. Bis Ihre Reise bestätigt ist, mit Kap-Laufzeiten planen.
  • 17. und 24. September: neue Notierungen im Drewry World Container Index. Shanghai–Rotterdam lag am 10. September bei 3.997 USD je 40-Fuß-Container, 9,7 % unter dem 13. August (CargoDuo-Berechnung); mehr im Bericht zu den Seefrachtraten 2026.
  • 30. September: Abgabefrist im EU-Emissionshandel für Reedereien, 70 % der Emissionen 2025.
  • 2. und 5. Oktober: Sperrung Hannover–Berlin bis Dezember 2027; CBAM-Zertifikatspreis für das dritte Quartal.
  • 1. November, 30. Dezember: Produktkennungen und Bearbeitungsgebühr, dann EUDR. Offen bleiben die Veröffentlichung des EUDR-Rechtsakts und die EU-Abstimmung zu Brasilien.

Häufige Fragen

Wird im Hamburger Hafen gerade gestreikt?

Stand 15. September 2026 ist kein neuer Streik ausgerufen, eine Einigung gibt es aber auch nicht. Zuletzt legten die Hamburger Hafenbeschäftigten vom 2. bis 4. September 48 Stunden die Arbeit nieder. Wie es nach den ZDS-Angeboten vom 9. September weitergeht, entscheidet nach der Mitgliederbefragung bis 14. September die Verhandlungskommission von ver.di.

Seit wann gilt die EU-Verpackungsverordnung, und was müssen Importeure vorlegen?

Seit 12. August 2026, in Deutschland zusammen mit dem VerpackDG. Je Verpackungsart braucht der Erzeuger technische Dokumentation, eine EU-Konformitätserklärung, Nachweise zu Schwermetallen und bei Lebensmittelkontakt zu PFAS sowie die neue Kennzeichnung. Die LUCID-Registrierung bleibt Pflicht, Händler mit Eigenmarken gelten als Erzeuger. Das harmonisierte Sortieretikett ist noch nicht vorgeschrieben.

Was hat sich seit dem Wegfall der 150-Euro-Zollfreigrenze geändert?

Seit 1. Juli 2026 fallen für Sendungen bis 150 Euro 3 Euro Zoll je Warenposition an, befristet bis 1. Juli 2028. Nach dem Beispiel von Baker McKenzie kosten fünf gleiche T-Shirts 3 Euro, ein T-Shirt und eine Uhr 6 Euro. Ab 1. November 2026 sind Produktkennungen bei Fernabsatz-Einfuhren Pflicht.

Ab wann gilt die EUDR, und fallen Leder und Reifen noch darunter?

Ab 30. Dezember 2026 für große und mittlere Unternehmen, für kleine, die nicht schon unter die Holzhandelsverordnung fielen, ab 30. Juni 2027. Ein delegierter Rechtsakt vom 13. Juli nimmt Leder und runderneuerte Reifen heraus. Stand 15. September 2026 ist er aber nicht im Amtsblatt veröffentlicht, bis dahin fallen diese Waren weiter unter die EUDR.

Quellen: Kuehne+Nagel (25.08. und 08.09.2026), Maersk (14.08. und 14.09.2026), ver.di Hamburg (02.09.2026), ZDS (10.09.2026), HHLA (13.08.2026), Transport Online (04.09.2026), ELWIS und BfG (14. und 15.09.2026), VerkehrsRundschau (14.08. und 09.09.2026), Contargo (15.09.2026), ADAC (11.09.2026), RFI (18.08. und 10.09.2026), italienisches Streikregister (15.09.2026), ASFINAG, ZSVR (12.08.2026), Europäische Kommission, Europäisches Parlament (14.09.2026), zoll.de, Baker McKenzie, Euronews (03.09.2026), Poultrymed (05.09.2026), Drewry (10.09.2026). Die 9,7 % sind eine CargoDuo-Berechnung, alle CargoDuo-Werte echte Ausgaben der App. Aktualisiert: 15.09.2026. Änderungen: 15.09.2026, Erstausgabe. Stimmt eine Angabe nicht mehr? Schreiben Sie uns, wir korrigieren sie mit Datum.

VERFASST VON
CargoDuo Team
Team Ladeplanung
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